




Bilder: Tonya Avemarg /Janosch Labesius / Paula Baierlein
Der Hafen hier in Alesund wimmelt nur so vor Kelp und Leben. In dem kühlen, klaren Wasser gedeihen an den Pontons kleine Kelpwälder. Ein experimenteller Schnorchelausflug von Janosch und mir mündete in einem ultimativen Unterwassererlebnis. Bunte Fische (ein Kuckuckslippfisch!) und Anemonen gehören zu den Highlights des kalten Abenteuers. Mit der Gopro von Kat ausgestattet, haben wir den Auftrag den Kelp in seiner wahren Schönheit aufzunehmen.
Völlig fasziniert von der Vielfalt des Lebens gehen wir nach dem Mittag nochmal rein: diesmal mit dem Ziel keine Bilder zu machen, sondern Proben zu nehmen. Wie viel Leben beherbergt so ein Kelp wirklich?
Wir haben Glück: eine neue Kelpart, die wir noch nie auf dieser Reise zuvor gesehen haben. Den Flügelkelp (Alaria esculenta), der auch unser Logo schmückt. Das ca. 40 cm lange Exemplar ist völlig überwuchert: und zwar nicht mit kleinen Algen sondern ganz vielen Tieren. Den sogenannten Moostierchen, die einen weißen Belag auf dem gesamten Blatt bilden. Es müssen Abertausende sein, denn jedes kleine Fenster ist ein Individuum. Wir vermessen den Kelp und nehmen ihn dann man mit Luisas Präparierbesteck auseinander. Damit wir endlich die kleinen Tiere in ihrer Schönheit unter dem Binokular betrachten und bestimmen können.
Direkt strahlt Luisa: auf der Haftkralle findet sie eine Meeresnacktschnecke! Diese Bestimmung dauert seine Zeit unter dem Binokular. Doch es gibt noch mehr zu entdecken: Polypen, Flohkrebse, Gespensterkrabben, Baby-Miesmuscheln, unendlich viele Moostierchen und orange, pinke und weiße Anemonen.
Auch die Algen auf dem Kelp wollten wir bestimmen: ein kleiner Baby-Meersalat, eine verästelte Rotalge und eine unbekannte büschelige Grünalge.
Auf Helgoland ging die Bestimmung beinahe intuitiv von statten doch jetzt haben wir es mit Leben zu tun, das wir noch nie zuvor gesehen haben. So richtig voran kommen wir auch nicht mit der Bestimmung: wir sind viel zu fasziniert von den kleinen Tieren. Wenn die pink-weiße Fadenschnecke mit ihrer stattlichen Länge von 5 mm erstmal gut unter dem Binokular fokussiert ist, müssen erstmal alle gucken. Eindeutig der Star des Abends, während der Kelp, der das Zuhause für dieses bunte Leben bietet, zerschnippelt und unbeachtet in einer der berühmten pinken Schüsseln hängt.
Was uns mit dem Binokular klar wird: Kelp kann ein Zuhause sein.
-Tonya Avemarg