Tag 14 – Throwback to Day 11 – Das Proben Sammeln und faszinierende Kelpwälder

Bild: Antonius Scheffler

Wir fliegen über den dicht bewachsenen Kelpwald auf der Suche nach Flügeltang – so wie Annelise Chapman es uns gerade noch in einer Präsentation erklärt hat. Das Ziel: genetische Proben vom Flügeltang nehmen. Dabei darf nur wenig bis keine Bewuchs auf dem Kelp sein, um die Proben nicht zu verfälschen. Die genetischen Proben werden genommen, um die genetische Veränderung von Kelp aus Farmen und Wildkelp zu vergleichen. Aber auch um unterschiede der DNA in verschiedenen Regionen zu vergleichen und Ähnlichkeiten, sowie Unterschiede zu finden.

Wir halten Ausschau nach Kelp mit goldener Mittelrippe, die zwischen den anderen Kelp-Algen hervorblitzen soll. Leider ist der Kelp gerade am Ende seiner Saison und deshalb dicht bewachsen. Wir sollen Flügeltang mit wenig Bewuchs finden. Bewuchs sind kleine, bunte Mikroorganismen, die sich auf das Kelp setzen und den Kelp überwuchern. Also schnorcheln wir durch den Kelpwald.

Es ist kalt und das Wasser fließt in unsere Neoprenanzüge, bevor es sich durch unsere eigenen Körper erwärmt. Der Kelpwald ist wunderschön: Überall sieht man Fischschwärme und Seeigel von immenser Größe. Ich tauche auf und es fliegt ganz nah ein Basstölpel dicht über der bewegten Wasseroberfläche vorbei. Unter mir schwimmen die Fische vorüber und der Kelp wiegt sich durch die Wellen hin und her.

Im bewachsenen Kelpwald sehen wir doch noch eine goldene Mittelrippe aufblitzen. Der Flügeltang. Schnell schwimmen wir dorthin. Mit unserem Sammelnetz, an dem eine Schere befestigt ist, tauche ich ab. Ich schneide den Flügeltang über den Seitenblätter ab, die aussehen wie Flügel, ab. Es ist gar nicht so leicht mit den dicken 5mm Neoprenhandschuhen und der Schere den Stängel durchzuschneiden. Doch als ich den Stiel durchgeschnitten und mit der Pflanze aufgetaucht bin, ergibt sich die nächste Herausforderung: Den Flügeltang in den Sammelbeutel zu bekommen, ohne dass dieser daneben landet und wegtreibt. Doch auch diese Herausforderung können Janosch und ich meistern und der Kelp landet in unserem Sammelbeutel.

Es ist einfach fantastisch die Wunderwelt Kelp in so klarem Wasser zu erleben und auch diesen Artenreichtum dieses Ökosystems. Da gerade Ende der Saison ist, sehen wir viel Bewuchs auf dem Kelp. Doch auch dieser ist sehr divers. So sehen wir Bryozoen, also Moostierchen, die die Blätter des Kelps schmirgelpapierartig anrauen und ihn weiß färben. An den vielen Felsen sehen wir viele bunte Anemonen, vor allem Rote. Die kleinen, silbernen Fische, die zu den Dorschartigen gehören, begeistern uns alle. Auch an diesem Spot entdecken einige von uns den Kuckucks Lippfisch, der so bunt gefärbt ist, dass man ihn eher in südlichen Breiten erwarten würde. Trotz des vielen Bewuchs auf dem Kelp finden wir nicht ganz so stark bewachsenen Flügeltang und stecken ihn in unseren Sammelbeutel.

So langsam wird allen etwas kalt, da wir schon recht lange im Wasser sind und die meisten einen recht dünnen Neoprenanzug tragen. Die Schnorchelgruppe wird stetig kleiner. Am Ende sind nur noch Antonius, Janosch, Antonia und ich übrig. Wir haben noch ein Netzbeutel mit vielen Proben, bringen diesen zu den anderen und werden mit dem Dinghy (dem Schlauchboot) abgeholt. Wir fahren zu einem weiteren Schnorchelspot. Dabei handelt es sich um einen Felsen, an dem die Wellen brechen und man den Kelp schon aus der Entfernung wiegen sieht. Das Boot motort durch die Wellen. Die Gischt fliegt über das gesamte Boot. Für uns im Neopren: kein Problem! Aber Eddy in Regenjacke wird komplett nass. So setzen wir uns zur Seite, wo das Wasser am meisten spritzt, damit Eddy nicht so nass wird.

Am Schnorchelspot anbekommen, gehen wir ins Wasser und haben 10 Minuten zum Schnorcheln. Wir tauchen am Felsen entlang und kommen zu einer recht flachen Stelle. Dort ist es schwer, sich fortzubewegen, da die Stiele und die Blätter des Kelps sehr dicht und fest sind. Man wird mit dem Kelp durch die Wellen hin und her getrieben. Wenn eine zu starke Welle kommt, halten wir uns an den mit wunderschönen Rotalgen bewachsenen Stielen fest. Wir sehen viele Quallen, von Ohrenquallen mit den violetten Kreisen im Schirm bis hin zu großen, roten Feuerquallen mit meterlangen Tentakeln, die man lieber nicht berühren möchte. Dieser Schnorchelspot ist etwas anspruchsvoller, da wir durch Strömung und die Wellen leicht abdriften. Doch es ist auch ein besonderer Spot mit sehr flachem Kelp und mehr Bewegung durch die ganzen Wellen.

Wir tauchen bis runter auf die Felsen, um uns auch die Haftkrallen genauer anzuschauen. Mit der Haftkralle hält der Kelp sich an Steinen fest, wie Wurzeln bei Pflanzen an Land. Die Haftkrallen und Stiele sind komplett mit Tieren und Pflanzen überwachsen und diese Artenvielfalt zu sehen ist faszinierend und berührt mich sehr. Die 10 Minuten gehen zu schnell, aber auch zu langsam um. Zu schnell, da man in einer so schönen Umgebung einfach die Zeit vergisst und einfach in dieses einzigartig schöne Ökosystem eintaucht. Aber bei Wassertemperaturen von 10-12 Grad friere ich auch und das wiederum gibt mir das Gefühl, dass die Zeit gleichzeitig langsam vergeht.

Der Rückweg zum Schiff ist spaßig, da die Wellen von hinten kommen und wir somit die Wellen surfen können. Nach einer kurzen, heißen Dusche nehmen wir die genetischen Proben an Deck der Malizia Explorer. Wir stanzen ein Loch in den Kelp und nehmen ein Foto mit der Länge des Kelps auf. Den kreisrunden Kelpstanzer verstaut Lise in eine mit Silica-Kügelchen gefüllte Tüte. Sie wird für die genetische Untersuchung später weggeschickt und analysiert. Bei der Probennahme erzählt Annelise viel über Kelp, über ihre ehemalige Kelp-Farm „Tango Seaweed“ und über die Herausforderungen des Anbaus.

Dabei ist es sehr interessant, dass sich am Seil der Farm die Hydrozoen, also die Polypen von Quallen, angesiedelt haben. Eigentlich sieht die Hydrozoe Tubularia wunderschön aus und kann hier in Norwegen auch sehr groß werden. Es ist eine meiner Lieblings-Hydrozoen, da sie so schön rot ist und unter Wasser wie eine Blume aussieht. Da sie jedoch nesselt, war dies ein Problem bei der Ernte von Lises Kelp. Ein weiteres Problem war, dass sich eine Alge in der Kelpfarm angesiedelt hat, die Schwefelwasserstog als Abwehr produziert. Es handelt sich um die Alge Desmarestia viridis. Durch die Abgabe von Schwefelwasserstog bei der Ernte, wird der eigentliche Kelp angegrigen und stirbt ab, bevor es weiterverarbeitet werden kann. Außerdem ist es ein Problem, wenn ein Mensch diese Alge isst. Das kann zu schlimmen Verbrennungen im Mund und Rachenraum führen. Diese Facts fand ich sehr spannend.

Außerdem hat sie sich in ihrer Forschung auch mit den Bryozoen, also den Moostierchen beschäftigt und wie diese den Kelp beeinflussen. Es ist bekannt, dass durch das Überwachsen des Kelps mit Bryozoen nicht mehr so viel Photosynthese betrieben werden kann. Jedoch konnte Lise mit ihrer Forschungsgruppe herausfinden, dass ein leichter Bewuchs mit Bryozoen auch förderlich sein kann. Die Bryozoen produzieren dabei einen Stog, der beim Kelp wie Dünger fungiert und damit einen positiven Einfluss auf den Kelp haben kann. Dies war ein sehr cooler, neuer Fakt, den ich gelernt habe.

Das Schnorcheln und Proben sammeln war ein sehr großes Highlight für mich, da hier die Sichtweiten sehr gut sind und man bis zu 10 Meter weit gucken kann. Auch einen so wunderschönen Kelpwald zu sehen und in ihm fliegen zu dürfen, war so spektakulär für mich und wird für immer in meinen Erinnerungen verankert bleiben.

-Luisa Felschen

 

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  • Kelp Kann – 11.08.26 – Schnorcheln-10: © Okeanos Stiftung