Tag 15 –Seeigel-Frustration

Wir haben sie erreicht: die magischen Lofoten! Doch anstatt direkt an unserem eigentlichen Endziel der 20 Tage auf See: Bodø festzumachen, führte uns der Kurs noch ein Stück weiter in das malerische Fischerdorf Henningsvær.

Kurz vor dem Einlaufen in den Hafen nutzten wir die Zeit für einen hochspannenden wissenschaftlichen Stopp auf See: Wir ließen die CTD-Rosette 70 Meter hinab in die Tiefe. Wie gewohnt übernahmen Josefa und Lea die professionelle Leitung des Einsatzes, während der Rest der Crew aufmerksam zusehte und wertvolle Einblicke in die ozeanografische Messmethodik gewann.

Um 18:00 Uhr liefen wir schließlich in den Hafen von Henningsvær ein – allerdings exakt zur niedrigsten Tide (Low Tide). Das bedeutete für uns ein enges Zeitfenster von nur anderthalb Stunden, um den Ort zu erkunden, weil dann gibt es Essen.

Unser erster Weg führte uns direkt in einen lokalen Shop, in dem kunstvolle Lampen aus Seeigeln verkauft wurden. Doch die Enttäuschung folgte direkt: Die Kunsthandwerker verwendeten ausschließlich gemeine Seeigel (Echinus esculentus), in seiner Farbe unterscheidet er sich indem er violett ist.

Ökologisch gesehen ist das ein echter Haken. Die violetten Seeigel stellen nämlich keine Gefahr für das Kelp dar und sind ein völlig natürlicher Bestandteil des Ökosystems. Die echten Problemfälle – die grünen Seeigel (Strongylocentrotus droebachiensis) – überwuchern die Küsten hier hingegen massiv und fressen ganze Kelpwälder kahl. Der Grund dafür ist ein gravierendes Ungleichgewicht im Ökosystem: Ihre natürlichen Prädatoren, wie beispielsweise der Seewolf, sind schlichtweg überfischt.

Natürlich ist es auf den ersten Blick eine schöne handwerkliche Idee, aus den Schalen Lampen zu fertigen, doch bei uns hinterlässt es einen faden Beigeschmack.

In meinen Augen wenn die falschen Arten verarbeitet werden, verpasst man eine riesige Chance zur Umweltbildung und einen echten positiven Handabdruck, mit dem man über Konsum auf marine Probleme aufmerksam machen könnte.

Umso mehr blicken wir auf den morgigen Tag: Dann wollen wir uns vor Ort die sogenannten Sea Urchin Barrens ansehen – jene kahlen Unterwasserwüsten, in denen die grünen Seeigel das Sagen haben und das Ausmaß des Problems überdeutlich wird.

Wir sind gespannt, was uns erwartet!

Zurück auf dem Boot sagt unser Kapitän den Standortwechsel an. Das Dock ist ihm mit der Lowtide zu unsicher, da das Doc fast 2m über uns war. Jetzt stehen wir sicher außerhalb des Hafen von Henningsvær im Schutze einer kleiner nordischen Insel. Und der Standort lässt uns jetzt allen ein positives Bauchgefühl für die Nacht haben.

-Annkatrin Reitz

 

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