Die Zeit an Bord der Malizia Explorer haben wir gestern intensiv genutzt, um noch tiefer in die faszinierende Welt des Kelps einzutauchen und an unseren laufenden Projekten zu feilen – Antonius war beispielsweise wieder fleißig dabei, Interviews für sein Filmprojekt zu führen.
Am Abend wurde es dann kulinarisch: Gleich vier Köche haben sich unter Thepis fachkundiger Anleitung in der Küche zusammengetan und eine großartige Runde Fajitas gezaubert. Beim gemeinsamen Essen wurden direkt die Pläne für Tag 17 geschmiedet – das Ergebnis: Morgen früh machen wir uns auf den Weg nach Kabelvåg!
Das kommt auch genau zur rechten Zeit, denn an Bord neigt sich der Wasservorrat langsam dem Ende zu.
Zwischendurch sorgte Lea für ein echtes Highlight beim Erzählen: Sie berichtete von ihrer unglaublichen Seeotter-Sichtung beim Schnorcheln – ein absoluter Gänsehautmoment!
Der Schatten im Ökosystem: Wenn Seeigel zur Bedrohung werden:
Trotz des leckeren Essens und der guten Gespräche lag gestern Abend eine spürbare Ernsthaftigkeit in der Luft.
Denn heute haben wir zum ersten Mal einen sogenannten Sea Urchin Barren gesehen – im direkten Vergleich zu dem intakten, prachtvollen Kelpwald auf Runde ein absolut erschreckender Anblick.
Eines muss man dabei betonen: Grüne Seeigel sind hier absolut heimisch. In einem normalen, ausgeglichenen Ökosystem erfüllen sie eine wichtige Funktion, indem sie abgestorbenes Material verwerten und Nährstoffe in den Kreislauf zurückgeben.
Doch wenn in dieser Gleichung ein entscheidendes Puzzleteil fehlt – nämlich die natürlichen Prädatoren wie der Seewolf, die durch starke Überfischung dezimiert wurden , gerät das System völlig aus der Balance.
Fehlen die Fressfeinde, explodieren die Seeigel-Populationen. Aus Mangel an Alternativen stürzen sie sich dann auf das Lieblingsgericht: die Haftkrallen (Holdfasts) des Kelps.
Das löst eine fatale trophische Kaskade aus, bei der ganze Kelpwälder absterben. Das hat nicht nur massive Folgen für die Artenvielfalt und die Kinderstuben unzähliger Fische, sondern schwächt auch direkt die wichtige Rolle des Kelps als globaler CO₂-Speicher.
Den restlichen Abend haben wir genutzt, um die Social-Media-Kanäle zu füttern, die Bilder des Tages zu sichten und das Gesehene zu verarbeiten. Nun verbringen wir unsere letzte Nacht in der Bucht vor Henningsvær – bereit für das nächste Kapitel in Kabelvåg!
-Annkatrin Reitz