Tag 17 – Was ist eigentlich Kelp und welchen haben wir schon kennengelernt?

Kelp ist ein umgangssprachlicher Begriff für Braunalgen in der Ordnung „Laminariales“ und ist durch seine einfache Struktur charakterisiert:

Kelp wird durch die Haftkralle (Rhizoid), den Stiel (Cauloid) und das Blatt (Phylloid) aufgebaut.

Das Rhizoid (Haftkralle) ist der unterste Teil des Tangs. Es besteht aus einer korallenartigen Struktur, die sich fest an Felsen im hart Substrat am Meeresboden verankert. Dadurch kann die Alge auch bei starken Strömungen oder Wellengängen sicher befestigt bleiben und wird nicht weggespült.

Das Cauloid (Stiel) ist der stabile, stielartige Mittelteil der Alge. Er verbindet das Haftorgan mit dem Blattteil und sorgt für Stabilität und Aufrichtung im Wasser. Seine raue Oberfläche bietet oft anderen Organismen halt und wird nicht weggespült.

Das Phylloid(Blade) ist der obere, blattartige Teil des Tangs. Es ist groß, flexibel und oft fingerartig geteilt. Hier findet die wichtigste Photosynthese statt, also die Umwandlung von Lichtenergie in Nährstoffe, wobei C02 aus dem Wasser gebunden wird.

Quelle: Lexikon der Biologie, Spektrum, https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/laminariales/38046)

Zeichnung: Annkatrin Reitz, 2026

Auf dieser Expedition halten wir Ausschau nach diesen mächtigen Braunalgen: Also einfach nach ganz großen Blättern, die sich in der Strömung wiegen. 

Warum sind die Algen eigentlich so braun und nicht grün, so wie wir es von Landpflanzen kennen?

Das liegt an der Wassertiefe, in der die Braunalgen leben und Photosynthese betreiben. Sie brauchen also das Sonnenlicht zum Gedeihen. Da das Licht im Wasser in die Farben des Regenbogen aufgeteilt wird und die einzelnen Farben unterschiedlich weit eindringen, braucht der Kelp einen anderen Farbstoff, um das Licht einzufangen, als Algen an der Oberfläche. Dieser Farbstoff, der die Alge braun färbt, heißt Fucoxanthin. 

Quelle: Alles Alge, Ocean Summit, https://ocean-summit.de/allgemein/alles-alge/

Zeichnung: Tonya Avemarg, 2026

Die Kelparten, die uns hier im Nordmeer begegnen, stellen wir euch jetzt vor:

Der bereits bekannte Zuckertang (Sacharina latissima) ist eigentlich der perfekte Modellkelp: ein Blatt, ein Stiel, eine Haftkralle. Fertig. 

Dieser Kelp kommt sogar bis zur Kieler Förde vor und kann auch dort am Strand gesammelt werden.

Je salziger und kälter es auf unserer Reise wird, desto mächtiger werden diese schönen Braunalgen. Sie können mehrere Meter lang werden. Im Gulenfjord und im Alesund Aquarium hat der Zuckertang die Hauptrolle gespielt. Und auch in unserer Misosuppe, wo wir ihn als getrocknete Algenflakes verarbeitet haben. Zuckertang kann auch in Aquakulturen angebaut werden. Das wurde uns auch auf Runde erzählt, wo Zuckertang neben dem Flügeltang die angebaute Algensorte der insolvent gegangenen Firma „Tango Seaweed“ gewesen ist. 

Der Fingertang (Laminaria digitata) und der Palmtang (Laminaria hyperborea) sind etwas schwieriger zu unterscheiden, da die Blätter sehr ähnlich aussehen: das große Blatt wirkt wie zerfleddert. Dass die beiden sich so ähnlich sind, lässt sich mit ihrer Verwandtschaft erklären: sie beide hören zur Gattung Laminaria. 

Wir unterschieden sie an dem breiten Blatt beim Palmtang und dem schmaleren Blatt beim Fingertang. Einen besondern Tipp haben wir auf Runde erhalten: der Palmtang besitzt einen raueren Stiel, weshalb er bewachsener ist und für noch mehr Lebewesen ein Zuhause bietet. Deshalb ist er auch Luisas Lieblingskelp. Auf Helgoland haben wir uns das Leben in den Haftkrallen und am Stiel genauer unter dem Binokular angeschaut. Mit Fokus auf das kleine Leben.

Auf Runde konnten wir „rauszoomen“: diese beiden Arten bildeten dort einen riesigen Unterwasserwald. Dort konnten wir sehen, für wie viel größeres Leben dieser Wald ein Zuhause bietet: ganz viele weitere Algenarten, riesige Seeigel, meterlange Quallen und die dichtesten Fischschwärme dieser Reise begegneten uns dort. 

Die erste Begegnung mit dem Flügelkelp (Alaria esculenta) war eine Überraschung im Hafen von Alesund. Zwischen ganz viel Zuckertang haben wir für die Untersuchung des Lebens auf dem Kelp einen Flügeltang geerntet. Auch dieser bat für erstaunliche Lebewesen einen Lebensraum: auf einem Individuum entdeckten wir viele Arten. Bunte Anemonen, Gespensterkrabben und eine Meeresnacktschnecke waren die Highlights. Auf Runde waren wir dann gezielt auf der Suche nach Flügeltang, da wir diese für die Probennahme mit Annelise Chapman gebraucht haben. Diese waren typisch für die Jahreszeit ein wenig zerfleddert, doch wir haben genug schöne Exemplare für die genetische Analyse gefunden. Bei diesen Algen ist es besonders, dass die Sporen also die „Babys“ des Kelps in Säckchen am Stiel gespeichert sind. Deshalb haben wir die Blätter für die Probennahme auch darüber abgeschnitten. Der Flügeltang ist Kats Lieblingsalge. Denn er ist einfach wunderschön. Die Blätter von der Probennahme haben wir aufgrund ihrer schönen Struktur auch für den Textildruck genutzt. Außerdem soll der Flügeltang als „Atlantische Wakame“ auch echt lecker sein. Praktischerweise kann auch er in Algenfarmen angebaut werden.  

Die Hauptfiguren unserer Expedition sind trotz ihrer einfachen Struktur so spannend. Zumindest haben alle aus unserem Team mittlerweile einen Lieblingskelp und ganz viele Erlebnisse, die wir mit den einzelnen Arten verbinden. 

-Tonya Avemarg, Luisa Felschen & Annkatrin Reitz

 

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