Tag 20 – Was bisher geschah…

Wenn wir jetzt, in den letzten Stunden in Bodø, den Anker dieser unvergesslichen zwanzig Tage einholen, blicken wir auf eine Reise zurück, die uns körperlich, emotional und intellektuell  gefordert und wundervoll beschenkt hat.

Es war eine Expedition, die vielseitiger nicht hätte sein können – eine Choreografie aus rauem Ozean, wissenschaftlicher Erkenntnis und einem Team , die zu einer Freunden zusammengewachsen ist.

Lassen wir das Band dieser Reise noch einmal Revue passieren.

 Eine Liebeserklärung an die Malizia Explorer:

Man kann über diese Reise nicht schreiben, ohne das Herzstück zu nennen: die Malizia Explorer. Sie war nicht nur ein Fortbewegungsmittel aus robustem Aluminium, sie war unser schwimmendes Zuhause, unser Schutzschild gegen die unbarmherzigen Elemente des Nordatlantiks und unser Labor zugleich.

Wenn der Wind pfiff und die Wellen gegen den Rumpf schlugen, gab dieses Schiff ein Gefühl von absoluter Sicherheit. Sie trug uns durch enge Sunde, hielt stand bei Wind und Wetter und bot uns den Raum für lange Abende im Common Room, für gemeinsame Spaghetti-Nächte zu vierzehnt und für den Duft von Thepis Küche, die uns zuverlässig vor jedem Tiefpunkt bewahrte.

Jedes Tau, jeder Raum atmet die Erinnerung an dieses Abenteuer.

Wenn der Ozean uns Grenzen setzt:

Doch eine ehrliche Bilanz verschweigt nicht die Härte des Meeres. Zu den unbestrittenen Lowlights dieser Expedition gehörte das, was die See jedem Seefahrer:In unbarmherzig abverlangt: die Seekrankheit. Es gab Tage, an denen der Horizont tanzte, der Magen rebellierte, die Kraft schwand und die rosa-farbenden Schüsseln um so begehrter waren. Während das Boot in den offenen Passagen unbarmherzig rollte und stampfte.

Es waren Momente der Erschöpfung, des Innehaltens, in denen man sich auf engstem Raum physisch und mental neu sortieren musste. Doch gerade diese körperliche Härte lehrte uns den tiefsten Respekt vor den Kräften der Natur und schweißte uns erst recht zusammen, wenn man sich gegenseitig eine helfende Hand oder ein aufmunterndes Wort reichte. Doch ich glaube, dass ich für alle sprechen kann, wenn ich sage: Das wir als Team uns dabei immer wieder den Halt gegeben haben und als wirklich emphatisches Team man in solchen Momente nicht es Alleine durchstehen musste.

Die Meilensteine und Highlights: 

Der erste Kelp auf Helgoland und die Algen Experten an Bord bei strahlendem Wetter.

Die ersten Delphine die uns im Nord Meer willkommen geheißen haben.

Das erste Mal Norwegisches Festland und die ersten norwegischen braun Algen bei Tauchgängen in Gulen

Ålesund brauchte uns die Ökosystemrelevanz von Kelp näher und lass uns die Norwegische Kultur richtig spüren.

Runde hat uns die wahre Schönheit von Kelp gezeigt und uns den Appetit auf die Algen geweckt. Dank Lisel konnten wir so viel lernen, was Kelp eigentlich bedeutet.

 Die Ankunft an den Lofoten, wo wir in Henningsvær in die grüne Lunge des Ozeans eintauchten, lernten Palmtang, Fingertang, Zuckertang und Flügeltang noch mal anders kennen.

Spätestens jetzt verstanden wir das Drama um den grünen Seeigel und gestörte trophische Kaskaden. Bewaffnet mit Waagen und Maßbändern wurden wir im Geiste von RISSA zu aktiven Forschenden, die verstanden, dass nur exakte Daten den Schutz vorantreiben können.

Die klare, eiskalte Luft von Kabelvåg und der erste wilde Kabeljau brannten sich in unser Gedächtnis. Und Kristian der uns mit seiner Ruhe Hoffnung gab.

Aber nichts ohne einen Shoutout: Denn alles hätte nicht funktioniert wenn der Kapitän,Lucas, der uns mit makelloser Präzision manövrierte; unser zweiter Segler, Eddy, mit seinem ansteckenden Lachen; der erste Matrose, Marin, der uns beim Polarkreis zu Neptuns Abgesahnten taufte; und Thepi, die mit Liebe, Bad-Bunny-Beats und glutenfreiem Brot für Seelenfrieden sorgte. Danke!

-Annkatrin Reitz

Bildquellen dieser Seite anzeigen