„Seasickness is not a real sickness, it’s just your brain being confused“,
hat uns Kapitän Lucas gestern noch erinnert. Wenn ich das nur auch meinem Körper vermitteln könnte…
Wir haben die Segel gehisst und steuern jetzt in ordentlichem Tempo auf Norwegen zu. Die Nordsee ist wunderschön – dunkelblau mit weißen Wellenkronen –, aber das heißt leider auch: Sie ist ordentlich wellig.
Während die Malizia Explorer sich tapfer durch die Wellen kämpft, kämpfe ich an Deck gegen die Übelkeit an. Eine denkbar schlechte Kombination: Hunger und Seekrankheit. In vorsichtigen Bissen esse ich eine Portion Couscous-Salat von gestern und trinke kleine Schlucke Wasser. Für den Fall der Fälle möchte ich lieber etwas im Magen haben.
Josefa kommt von drinnen aufs Deck gestolpert. Sie streckt die Hand nach der rosafarbenen Schale aus, die ich sicherheitshalber auf meinem Schoß halte. „Ich glaube, die brauche ich gleich“, sagt sie. Und so ist es auch.
Niemand schreibt gerne übers Übergeben, und auch euch möchte ich die Details ersparen. Aber kurz nach Josefa dreht sich auch mein Magen um. Perfektes Timing.
Direkt danach: ein wirklich befreiendes Gefühl. Eine Weile bleibe ich an Deck, während Eddie unsere Schale saubermacht – sicherheitshalber, damit bei dem starken Wellengang nichts danebengeht. Es ist mir etwas unangenehm, doch er versichert mir, dass das für ihn völlig okay sei. Ich nehme an, er ist daran gewohnt.
Als ich mich schließlich entscheide, nach drinnen zu gehen und mich ins Bett zu legen, verlässt mich auch noch der Rest des Frühstücks. Danach schlafe ich fast vier Stunden lang. Ich bin nicht die Einzige: Viele von uns schauen entweder draußen fest auf den Horizont oder versuchen, die Seekrankheit einfach zu verschlafen.
Wie fühlt es sich an, seekrank zu sein? Für mich ist es ein sehr diffuses Gefühl aus Kopfschmerzen, Übelkeit und bleierner Müdigkeit. Zu gerne würde ich aufstehen, rausgehen und bei den anderen sitzen, doch das Unwohlsein kommt in Schüben. Ich weiß nicht, ob ich den Weg durch den schmalen Flur und vorbei am Sitzbereich bis nach draußen an Deck schaffe.
Also bleibe ich liegen und schaue durch die Luke im Dach meiner Kabine auf das blähende Segel – in der Hoffnung, dass mein Gehirn morgen ein bisschen weniger verwirrt von der See ist.
-Karlotta Hamburg