Ungeplanter Schlenker: Die Bürokratie bittet zum Check
Wir haben leicht von unserer ursprünglichen Routenplanung abweichen müssen. Ziel des heutigen Tages ist überraschend (wir wissen das seit 2 Tagen) die Metropole Bergen. Grund dafür sind die norwegischen Behörden, die eine umfassende Kontrolle angekündigt haben: Sämtliche Lizenzen und Genehmigungen, insbesondere für unsere wissenschaftlichen Instrumente, sollen vor Ort eingehend geprüft werden.
Das betrifft vor allem unsere Ausrüstung für die bevorstehenden Plankton- und Sedimentproben sowie die CTD-Rosette. Unser Captain, Lucas, stellt sich vorsorglich auf das zäheste Szenario ein: Denn es könnte durchaus sein, dass wir einen vollen Tag im Hafen verbringen müssen, bis alle Papiere abgesegnet sind – zumal die Liegeplatz-Situation in Bergen bis jetzt noch nicht final geklärt ist. Unsere Fahrtleitung, Lea, fasst die Lage an Bord treffend zusammen: „Es ist wie am Flughafen, wenn man in eine etwas verlängerte Zollkontrolle gerät.“
Das Team nimmt den unverhofften Zwischenstopp extrem gelassen. Nach dem ersten eher ruppigeren Tag auf der Nordsee fühlt sich das Leben an Bord der Malizia Explorer inzwischen fast wie ein Zuhause an. Die Bedingungen auf dem Fjord könnten kaum entspannter sein: Das Wasser liegt ruhig da, die Welle ist praktisch null und die Sonne bricht Stück für Stück durch die Wolkendecke. So sehr, dass wir endlich die ersten dicken Bekleidungsschichten ablegen können.
Während wir mit konstantem Kurs dahin motoren, ziehen imposante norwegische Fähren an uns vorbei, die in dieser Kulisse fast wie futuristische Raumstationen auf dem Wasser wirken.
Die Zeit an Bord wird aber effizient genutzt. Um 11:00 Uhr kommt das gesamte Team für einen internen Schreib-Workshop mit Lea zusammen, um an unseren Beiträgen und Dokumentationen zu feilen. Eine tolle Gelgenheit, von der alle enorm profitieren für die Zukunft und diese Kampagne.
Gegen Mittagszeit rechnen wir mit dem Einlaufen in Bergen. Nach der relativen Einsamkeit der letzten Tage auf See wird der Kontrast zur belebten Fjord-Metropole sicher erst einmal eine kleine Umstellung für uns alle. Sobald das Warten beginnt, steht derzeit zur Ablenkung vielleicht die erste Runde Hitster-Spiel auf dem Programm, eine eher belangloses Spiel, was aber hoffentlich die Stimmung oben halten wird.
Der Blick nach vorn: Bis zur Ankunft laufen die Recherchen und Vorbereitungen an Deck auf Hochtouren. Sobald der Zoll grünes Licht gibt und die Lizenzen bestätigt sind, geht es direkt an die eigentliche Arbeit: Die ersten offiziellen Plankton- und Sedimentproben der Expedition können dann genommen werden!
Position: Auf Ansteuerung Bergen (Norwegen)
Status: Unter Motor, Fjord-Passage
-Annkatrin Reitz