Der Tag begann an Bord der Malizia Explorer mit einem echten Erfolgserlebnis: Alle standen pünktlich auf den Beinen und die Stimmung beim ersten Kaffee war bestens. Dass wir uns überhaupt schon heute in Ålesund befinden und spontan umplanen können, verdanken wir unserem Kapitän Lucas. Er hat uns mit vorausschauendem Geschick einen ganzen Tag vor dem ursprünglichen Routenplan nach Ålesund gebracht. Genau zur richtigen Zeit, da für den gestrigen Abend noch eine Sturmwarnung reinkam. Nun liegen wir sicher im Hafen und haben wertvolle Zeit gewonnen.
Auf dem Tagesprogramm stand ein Besuch im örtlichen Aquarium, Atlantikpark. Dieser Tagespunkt ist für uns alle mit einem gewissen Zwiespalt verbunden. Das Aquarium ist ein staatlich anerkanntes Wissenschaftszentrum (Vitensenter) mit starkem Fokus auf die heimische Meeresfauna. Es gilt als eines der größten Aquarien Skandinaviens und nutzt ungefiltertes Meerwasser direkt aus dem angrenzenden Fjord.
Dennoch betrachten wir die Haltung mariner Organismen an Bord naturgemäß aus zwei Blickwinkeln: Einerseits schätzen wir den Wert für Forschung und Bildungsarbeit, andererseits begegnen wir der Haltung von Wildtieren in geschlossenen Systemen mit einer gesunden wissenschaftlichen und ethischen Distanz.
Ob wir den Schritt ins Aquarium wagen würden, machten wir von einer Bedingung abhängig: Bekommen wir die Möglichkeit, vor Ort mit der Fachexpertise für Kelp, Kabeljau, Seewolf und Seeigel zu sprechen?
Punkt 09:00 Uhr griff Lea zum Hörer. Die Antwort am Telefon: ein vielversprechendes, positiv gestimmtes „Vielleicht“. Das reichte uns als grünes Licht. Nach einem kurzen Stimmungsbild an Deck entschieden sich acht von uns, den Weg zum Aquarium anzutreten. Neugierig auf den fachlichen Austausch, aber mit der nötigen Dosis Skepsis im Gepäck.
„Eigentlich bin ich eher skeptisch gegenüber Aquarien generell eingestellt, aber ich bin hier interessiert daran, wie die moderne Technik die Haltung evtl. revolutioniert und verbessert. Zudem finde es interessant mal zu schauen, wie sie als einziges Aquarium Kelp halten.“
— Janosch
„Ich habe vorab ein wenig über das Aquarium recherchiert. Wenn ich ein Fisch wäre und mir aussuchen müsste, in welchem Aquarium ich lebe, wäre des Aquarium vermutlich ganz oben auf meiner Liste. Umso gespannter bin ich auf die Haltungsbedingungen vor Ort – und besonders darauf, wie sie den Kelp jetzt in der späten Sommersaison stabil und gesund halten.“
— Tonya
Mit diesen Gedanken im Hinterkopf machten wir uns auf den Weg. Gespannt darauf, was uns hinter den Kulissen der Aquaristik und Meeresforschung in Ålesund erwarten würde.
-Annkatrin Reitz